Patrice
PatriceIn Deutschland fast unbemerkt, mauserte sich Patrice zu einem globalen Phänomen, das in Frankreich Stadien füllt. Mittlerweile ist Patrice in der ganzen Welt zu Hause, seine Musik war es vorher schon. Nach einem erfolgreichen Debut 1998 und drei weiteren Alben, die die musikalische Welt des Reggae, Soul, Folk und Pop erkunden, veröffentlicht Patrice nun die DVD "Raw & Uncut". Ein Team junger Filmemacher begleitete Patrice und seine Band Sashamani über ein Jahr lang – herausgekommen ist ein Dokument, das mit „Killing the Distance“ treffend beschreibt, was der Einblick gewährt: Live-Proben, Live-Konzert, Diskussionen, Reisen, Interaktion, Interviews, Momentaufnahmen. Zusätzlich zu der DVD, die ein hervorragendes Weihnachtsgeschenk abgibt, interviewten wir den Songwriter.
 
 
Ich erinnere mich an eine Christmas-Jam in der Hamburger Markthalle im Jahr 1998. Du kamst nur mit einer Akustik-Gitarre auf die Bühne. Das Publikum war ein reines HipHop-Publikum…

Ich erinnere mich vage. Das war mein Umfeld damals, das waren die Leute, mit denen ich gearbeitet habe. Ich hatte also keine Berührungsängste. Ich weiß, dass es die ersten Gigs waren und ich hatte noch keine Band und auch nicht das Geld mir eine Band zu leisten. Das waren sozusagen meine Roots, einfach mit Gitarre auf die Bühne.
 
 
Welche Rolle spielen die Orte bei deiner musikalischen Entwicklung?

Ich würde sagen, es ist nicht an einen Ort gebunden. Aber es gibt Orte, die meine Lebensabschnitte darstellen. Ich bin in Köln geboren, war dann auf einem Internat am Bodensee, in den Ferien bin ich oft nach Hamburg gefahren und nach dem Abitur bin ich ganz nach Hamburg gezogen. Dort habe ich meine erste Platte aufgenommen und auch den nötigen Push bekommen. Matthias Arfmann hat mich einfach aufgenommen und singen lassen.
Ich hatte mich vorher nie als Sänger oder Gitarrist verstanden, es war mehr ein Hobby, ich habe Freestyle-Sessions genossen. Das war also ein Eckpfeiler für meine musikalische Entwicklung…
Langsam habe ich dann angefangen, Musik zu analysieren, meinen Horizont zu erweitern. Bis ich an einem Punkt war, wo ich mir die Orte aussuchen konnte. Ich bin zum Beispiel nach Sierra Leone geflogen, hab dort viel für mein letztes Album geschrieben und daraufhin auch dort die Proben für die Tour angesetzt…
 

Frankreich spielt auch eine große Rolle – dort spielst du in Stadien.
 
Die Leute dort schätze ich sehr. Es spricht für die Persönlichkeit des Landes… Die haben meine Musik wirklich entdeckt. Ohne Medien, nur durch Mundpropaganda. Meine Musik wurde einfach sehr gut aufgenommen.
 

Gibt es denn eine Art Homebase? Du hast dein eigenes Label Supow und auch ein Studio?
 
Ich habe keinen festen Wohnsitz, nur mein Elternhaus in der Nähe von Köln. Ich war eine Zeit in Paris, vielleicht gehe ich nächstes Jahr nach New York, aber nur für zwei Jahre oder so – ich komme immer wieder zurück! Hier, wo man Sachen abstellen kann und einen alle kennen.
 
 
Musst du deinen Erfolg deinen Nachbarn erklären?
 
Meine Nachbarn verfolgen das schon. Ich muss mich auch immer abmelden bei meiner Nachbarin. Die geht davon aus, dass ich wieder vor einer ausverkauften Halle spiele…
 
 
Wenn man von deiner Musik spricht, sind musikalische Genres immer ein Thema, weil man dich nicht so recht einzuordnen weiß.
 
Ich ordne mich nicht so gerne ein und lass mich auch nicht einordnen, weil es nicht wahrheitsgemäß ist. Nicht, weil ich Angst vor Definitionen habe, sondern weil ich glaube, dass es mit der Wahrheit nicht viel zu tun hat. Ich denke nicht in Genres.
Ich bin ein Singer / Songwriter. Ich schreibe meine Songs auf Gitarre. Egal welche Richtung. Ich bin nicht auf etwas konditioniert. Ich kann mich aus Genres bedienen, ich bin ja auch nicht nur einer Kultur entsprungen.
 
 
Was erreichst du durch die Instrumentierung, was durch Texte?
 
Die Kunst bei einem guten Song ist die Aussage. Die Musik auf musikalischer Ebene und auch der Text. Eine Geschichte wird vom Text erzählt, die Musik unterstreicht diese Geschichte. So, dass der Inhalt bestmöglichst unterstützt wird. Es kommt immer auf den Song an, aber ich mag es musikalisch so spartanisch wie möglich. Ich mag es nicht, wenn es voll ist. Streicher, Piano, alles. Meine Herangehensweise ist eher mit einfachen Worten und pur eine Botschaft wiedergeben.
 
 
Wie wichtig ist dabei dein Umfeld, die Menschen, deine Band?
 
Sehr wichtig. Die Band ist mein erstes Publikum wenn ich einen Song geschrieben habe. Ich spiele es vor und es wird umgesetzt. Das sind Leute, die mir sehr vertrauen – die glauben daran. Das gibt Selbstbewusstsein als Künstler. Die DVD soll das auch darstellen. Es beschreibt die Zeit, die sehr schöne Zeit.
 
 
Wie sieht die musikalische Zukunft für dich und dein Label aus?
 
Mit dem Label möchte ich Talente fördern. Oder Platten herausbringen, die nicht wirklich Patrice-Platten sind. Und zwar dort, wo es geht. Es gibt überall kleine Labels, die nur zwei- oder dreitausend Platten verkaufen, nicht viel Personal brauchen.
Außerdem produziere ich Chimas neue Platte, sie wird auf deutsch und auf englisch sein. Es wird komplett anders als das, was man von ihm kannte. Wir haben sehr eng zusammen gearbeitet – manchmal braucht man jemanden, der so etwas sagt: „Nee, mach das noch mal, das kannst du besser!“ Man braucht einen Menschen, der einem das sagt.
Und ich arbeite und konzentriere mich gerade auf mein neues Album…
 
 
(Dezember 2006, erschienen im P*U*S*H*-Magazin)