
„Mein Scout, mein Scout!“ schreien die Tornisterrapper gegen Rucksackrapper an und scheinen guter Dinge, dass sie diesen Kampf gewinnen. Denn sie sind gechillt. Sie leben in „Green Berlin“. Sie sprechen mit einer Stimme, der niemand etwas anhaben kann. Marsimoto würden sich mit höchster Wahrscheinlichkeit auch mit unseren Freunden vom Cover anfreunden und die Welt herzlich knuddeln – in ihrem ganz eigenen Stil. Mit sehr viel Weed. Denn sogar Nazis können durch ihr Schaffen umgepolt werden und verwandeln sich von Rassisten zu Gras-Großdealern. Eine Resozialisierungsmaßnahme ganz nach unserem Geschmack. Und das Gegenteil von Gangsterrap.
Marsimoto haben eine offizielle Erlaubnis von Stones Throw-Musikfans wird Quasimoto ein Begriff sein. Und so versteht sich das Album „Halloziehnation“ von Marsimoto als eine Hommage an den Schöpfer, der Hitpotenzial in Skits verschleudert und ganze Strophen wie mit Helium gepitcht rappt.
„Wir haben Hits verbraten, das kann man schon sagen.
“Das Prinzip Strophe - Refrain - Strophe -Refrain - Strophe - Refrain - Refrain - Refrain wird außer Kraft gesetzt: „Jeder Song sollte ursprünglich nur eine Minute gehen. Was wir aber verworfen haben. Das war dann doch etwas zu viel für den Kopf.“ Trotzdem sucht man auf „Halloziehnation“ Songstrukturen vergeblich. Eine andere Stringenz zeigt sich jedoch mehr als deutlich. „Unser Ritual lautete: Drei Becks und Rauchen vorher. Sonst haben wir nicht angefangen. Diese Stimmung wollten wir erzeugen.“ So mag die thematische Bandbreite auf dem Album eingeschränkt wirken, das musikalische Spektrum ist jedoch breit gefächert („Super Beats von dead rabbit“), Marsimotos Album lädt zum Durchhören ein und strengt nicht an, wie viele andere dieses Genres. „Der Sound entwickelt sich über die Jahre. Es ist ein bisschen Grime drin, Elektro. Aber ich würde keinen Madlib-Beat machen und auch keinen nehmen, der so klingt. Wir machen einen anderen Sound, das ist der Unterschied zu Quasimoto. Und auch die Weiterentwicklung…“, weshalb auch Bundesliga pur geraucht wird – so unmöglich es klingt - und Zukunftsmusik für Marsimoto bedeuten kann, dass das Album vielleicht in hundert Jahren erst abgefeiert wird. „Es sind immer wieder andere Muster zu erkennen. Die Regeln sind, dass es keine Regeln mehr gibt.“
Und diese Regeln erklären Marsimoto immer wieder gerne. Sie wollen schließlich „alles ein bisschen grüner machen“. Auch wenn sie auf einem Track verschleiern, was sie auf Jamaika und in Amsterdam wirklich machen, stehen sie zu ihrer Verantwortung und es fällt ihnen nicht schwer zu sagen, wie es um den Drogenkonsum von Prominenten bestellt ist: „Nora Tschirner raucht am Prenzlberg. Und viel an irgendwelchen Straßenbahnhaltestellen. Yvonne Catterfeld raucht gar nicht. Aber dadurch, dass die Augen bei ihr soweit auseinander stehen, habe ich gedacht, dass sie früher in einen Weed-Topf gefallen ist. Aber die ist eine ganz Artige und Nette.“
Großstadtphilosophie, in die wir gerne eintauchen und die uns zum Dauergrinsen animiert. Als hätten wir selbst ’was geraucht…