Separate
SeparateSeparat, abgesondert, einzeln. Auch wenn der Künstlername, den sich Sebastian Faisst gegeben hat, einiges über seine Person und seinen Charakter zu verraten scheint, tritt mir ein freundlicher, redseliger und dankbarer Jungunternehmer entgegen. Keine Spur von Einzelgängertum und Abschottung. Er zeigt sich zufrieden, offen, sympathisch und vor allem authentisch. Ein Mensch, der durch seine Erzählungen begeistert. Wenn Separate redet, wird man in den Bann gezogen. So ist es auch mit seinen Raps, in denen er einige seiner Erzählungen und Erlebnisse verarbeitet. Vor allem das Album „Zahltag“ begeisterte und katapultierte ihn im letzten Jahr zu einem der hoffnungsvollsten Nachwuchskünstler des Landes – obwohl von Nachwuchs eigentlich keine Rede mehr sein darf. Separate hat ein eigenes Label und die Musik ist sein Hauptberuf. Keine Ausbildung, kein Studium. Gleich nach Abitur und Zivildienst ging es in die Selbständigkeit. In diesem Metier durchaus eine Seltenheit.
 
„Ich bin auf jeden Fall voll zufrieden. Ich habe klein angefangen, jetzt habe ich ein Label, kann Leute einstellen, auch Gehälter zahlen. Ich bin stolz darauf und sehr zufrieden damit, wie es gelaufen ist. Man macht sich viele Gedanken. Aber das war das Beste, was ich hätte machen können. Ich habe zunächst nur ein bisschen Geld mit Rappen verdient und dann habe ich es einfach versucht.“
Und es klappte. In trockenen Tüchern ist aber dennoch nichts. So leicht kann man sich nicht zur Ruhe setzen. Und so leicht gibt sich auch Separate nicht zufrieden, er will besser werden, sich weiterentwickeln.
„Ich setze mich gerne mit Leuten auseinander. Mit Produzenten, die Ideen haben, ich setze mich mit Leuten zusammen, freue mich über Tipps. Aber bei grundsätzlichen Dingen brauche ich das nicht – ich bin froh, bei keinem anderen Label zu sein. Denn um Grundsätzliches muss man nicht streiten; da gibt es keine Verhandlungen.“

Separate kann Entscheidungen für sich treffen, weiß was er will, ist dabei selbstkritisch und konstruktive Fremdkritik spornt ihn an.
„In der Juice hatte ich für mein letztes Album viereinhalb Kronen. Es darf gar keinen Zweifel geben, dass ich das nächste Mal fünf Kronen bekomme. Für mich heißt das: besser werden. Ich muss so an mir arbeiten, dass ich den Leuten so einen krassen Film bieten kann, dass sie es einfach kaufen müssen!“
Er möchte sich steigern, um es sich selbst zu beweisen. Aber auch um zurückzugeben, was er an positivem Feedback für seine Songs bekommt.
„Mir haben Leute schon viel erzählt… was sie erleben, wenn sie meine Songs hören. Das ist der Traum überhaupt, wenn die Leute deine Texte auswendig kennen! Oder wenn sie dir sagen, dass ich einen positiven Song gemacht habe, der ihnen über negative Sachen hinweg geholfen hat.“

Sein Markenzeichen-Satz „true zu dem game“ wird ihm nicht übel genommen als Floskel, denn Separate ist sich Platzhalter-Worten durchaus bewusst.
„Ich verstehe das schon, die Kritik an den vielen Anglizismen. Und wenn man es zu oft sagt, wird es vielleicht belanglos. Aber das ist mir wichtig: Ich achte eben sehr auf Flavour-Geschichten, es soll nicht nur Aussage sein.“

Der Erfolgt gibt ihm Recht. Mit leerer Phrasendrescherei hat das jedoch wenig zu tun. Vor allem, wenn Separate sagt, dass er normal geblieben sei – denn er sagt es so, dass man es glauben muss. Ehrlich, ohne Pathos und mit Nachdruck.
„Weißt du, wir regen uns über Kleinigkeiten auf. Man muss zu schätzen wissen, was man hat. Ich habe zum Beispiel jedes Mal den gleichen kack Pulli an. Nicht, weil ich mir keinen neuen teuren leisten könnte. Aber ich kann doch nicht mit Blingbling ankommen, wenn ich zu McDonald’s gehe, wo ein alter Schulkamerad von mir arbeitet und fünf Euro die Stunde verdient. Ich sage ja nicht, dass ich das ganze Geld spenden würde, aber man kann auch in seinem Freundeskreis mit Geld aushelfen. Geld ist nur Papier.
Ich habe Respekt vor den dreckigen Jobs. Es ist doch das Normalste, dass du respektvoll mit anderen Leuten umgehst. Ich schiebe keinen Film. Ich weiß was ich kann, und was ich vielleicht erreichen werde. Aber das hat nichts damit zu tun. Ich habe großen Respekt vor Leuten, die ihren Job als Klofrau oder in einer Behindertenwerkstatt machen.“

Auch wenn sich manch einer wundert, wie normal Separate geblieben ist und sich eben nicht wie ein Star aufführt, zeigt der Rapper seinen Lebensstil nach außen – durch Tätowierungen. Sein Label „Buckwheats“ hat er sich gerade frisch auf den Unterarm tätowieren lassen…
„Die Zeit ist so wichtig für mich, dass ich es mir tätowieren musste. Mittlerweile habe ich das Label anderthalb Jahre und ich bin erstaunt wie ich es läuft. Ich war gerade 18 da habe ich mir Separate auf die Brust tätowieren lassen. Selbst wenn ich aufgehört hätte zu rappen, wäre es ein Teil von mir gewesen. Es ist einfach das krasseste, was ich bisher erlebt habe – deshalb die Tätowierung. Die Leute feiern mich ab, wie ich meine Idole abfeiere.“

Was Separate abgesehen von seinen Idolen noch abfeiert, beschreibt er in der Liebe zu seinem Heimatverein Mainz 05. Die Fußballweltmeisterschaft in vollem Gange, darf diese Frage natürlich nicht fehlen.
„Ich habe selbst zehn Jahre im Verein gespielt. Aufgehört habe ich als ich 18 war. Ich bin einfach ein krasser Fußball-Fan, habe eine Dauerkarte. Ich mecker die Spieler auch nie an, außer, sie reißen sich nicht den Arsch auf. Sie verlieren ja auch öfter als sie gewinnen, aber das ist scheißegal. Alle anderen schieben den Star-Film, aber Mainz 05 – du siehst jeden von denen in der Stadt.
Im Stadion habe ich Gänsehaut. 20.000 Leute sind da und alle machen Party, freuen sich, nehmen sich in den Arm – das ist so geil! Ich mag die Gegensätze im Fußball. Das Kämpferische gegen das Tänzerische, Wayne Rooney gegen Ronaldinho. Ich liebe es, es ist unfassbar ästhetisch, wenn man es drauf hat. Da kannst du nicht sagen: Den Trick lerne ich jetzt auch. Das kannst du nicht!“


Auch dem Trink-Sport frönt Separate des Öfteren, weshalb er nicht nur ein 55 Alkis Album auf seinem Label herausbringt, sondern auch ein „Bourbon“-Album folgen lässt. Und für die gute Mische hat er sowieso schon gesorgt, da sein Mixtape im Juni erschienen ist. „Die Jagd auf den König“ beinhaltet 28 Songs und ist – wie die wenigsten Mixtapes die heutzutage erscheinen – wirklich gemixt, von DJ Katch aus Frankfurt. Es wird die Wartezeit auf den nächsten Longplayer von Separate verkürzen. Wir sagen Prost und stoßen an – mit Bourbon und auf viele Zahltage!
 
 
(Juli 2006, erschienen im P*U*S*H*-Magazin)