TOAST - Black Ink
Mehr als nur schwarze Tinte

toast_cover.jpgBeim Frühstück kam Ata Bozaci der Gedanke. Seit dem heißt er Toast. Und auch die Weiterentwicklung des Künstlers und der Sandwichmaker auf den ersten Seiten des Buches haben nichts daran geändert. Toast ist Grundnahrungsmittel für Graffiti-Liebhaber und die Instanz wenn es um Character-Writing geht. Sein erstes Buch „Black Ink“ zeigt nun seine Schaffensperiode der letzten 15 Jahre auf und geht weit über gesprühte Charaktere und schwarze Tinte hinaus.
Als leidenschaftlicher Skateboarder wächst Ata „Toast“ Bozaci in der Nähe von Bern in der Schweiz auf, erhält noch ohne Computer eine grafische Ausbildung und wird weltbekannt als einer der ersten eigenständigen Character-Writer der Graffiti-Szene. Die Styles und Schriftzüge, die graffiti-fremden Personen nichts außer Farben und Formen vermitteln, werden von Toasts Charakteren mit Bildwitz versorgt und so auch für Otto-Normal-Bewunderer zum Blickfang. Sein Ruhm durch die gesprühten Figuren ist bald so groß, dass Toast nur auf Charaktere reduziert wird. Ab 1999 malt er jedoch dreidimensionale Styles und nutzt dazu auch Computertechniken. Er mischt diverse Materialien und Techniken und kann heute als einer der komplettesten Graffiti-Künstler bezeichnet werden.
„Black Ink“ ist in die drei Teile Graffiti, Skizzen und Illustrationen eingeteilt. Der Fokus liegt dabei eindeutig auf den Skizzen, die im Zentrum stehen und am Anfang aller grafischen Arbeiten stünden. Schwarze Tinte auf weißem Papier ist die Essenz dieses Buches und auch die Essenz der Arbeit von Toast. Eine Idee brauche keine Farbe und so wird sich auf das Wesentliche reduziert. Das Schwarz solle dabei den Blick schärfen und die Akzentuierung auf die Bildidee verdeutlichen.
Die Schwarz/Weiß-Ästhetik mit Toast zu verbinden ist zunächst merkwürdig, kennt man ihn doch als farbenfrohen Künstler, der es auch immer schafft, seine Bilder, Styles, Grafiken oder Charaktere noch eingängiger durch die Farbgebung zu gestalten. Der abstrakte Blick des Betrachters ist jedoch gewollt und die eventuell sogar bekannten farbigen Originale sollen in einem neuen Licht betrachtet werden. Im Gesamtkontext des Buches passt die Vorgabe und veranlasst zu dem verschärften Blick, der verlangt wird; auch bei den Charakteren, Tieren, Figuren und den Living Letters – jedem Buchstaben wird dabei ein Charakter, eine Persönlichkeit oder eine bestimmte Eigenschaft zugeordnet.
Toast ist zu bekannt für seine Werke, dass er dem Betrachter nicht noch abringen kann, sich auf sein simples Schwarz einzulassen. Eine ganze Horde von Character-Writern konnte sich in den letzten zehn Jahren an ihm orientieren und auch bei den 3D-Styles ist er mittlerweile in einem Atemzug mit Delta, Loomit und Daim zu nennen. Die Bandbreite der Stile ist atemberaubend, und Toast gehört zu der Sorte von Graffiti-Writern, die das klassische New-York-Graffiti in Europa auf das nächste Level gehoben und in die Kunstszene getragen haben. Toast ist ein Beispiel für die Verbindung von Straßenkultur, Kunstmarkt und Werbeindustrie, die in der frühen Phase von vielen Graffiti-Malern kritisiert wurde, doch heute immer mehr verschwimmt. Toast hat seinen schwarzen Klecks hinterlassen und „Black Ink“ zeigt ein Stück dieses überaus sehenswerten Tintenflecks.
 
(Oktober 2007, erschienen im P*U*S*H*-Magazin)