2004 | Kokon
harte schale weicher kern ich zeig’s dir gern
das mit der letzten liebe ist schon ’ne weile her
ich wein nicht mehr also spar dir dein du leidest sehr
ich weiss nicht trotzdem ist es scheisse schwer
es nagt an meiner hülle und es frisst mich auf
wenn menschen sagen du bist so und so irgendwann bist du’s auch
ich klammer mich ans loslösen nur um zu sehen
ich bin echt stehengeblieben um mich umzudrehen
versuch damit umzugehen und bleib verschlossen
ich soll aus mir rauskommen doch dabei bleibt vieles offen

ich versteck mich schließ mich ein genieß es allein
ich will nicht verdrießlich sein doch irgendwie zieht’s mich heim
schließlich schrieb ich den reim und viele zeilen
ich will nicht darüber reden das siehst du doch ein
das ist weder fies noch gemein lies doch den scheiss
ich sag nicht alles und doch ist es irgendwie befreiend
ich entblätter mich auf’s blatt zeige verschiedene seiten
hab’s mir selbst nicht leicht gemacht perspektivisch zu zeichnen
und als wär es in der tat nachdem ich blätter dann beschreibe
als wär ich nackt und das feigenblatt trägt feinste seide

ich sitz’ im kokon um rauszukommen schreib’ ich an songs
nimm stift oder mont blanc und kritzel schrift bis er bricht
ich sitz’ im kokon um rauszukommen schreib’ ich an songs

es der schutz den ich brauch also geb’ dir keine mühe
das was ich jetzt bin, das bin ich und doch ist’s eine lüge
die klamotten auf dem kleiderbügel die implantate
die verpackung die schminke und die maskerade
ja was hast du erwartet du steckst nicht drin
du steckst nicht in meiner haut in der ständig wechselnden
du steckst mich höchstens in’ ne schublade und suchst gerade
’ne passende aus und rastest aus weil ich dein schuh versust habe
ich geh’ und zieh was anderes an
weil du dich im kokon auch verwandeln kannst

ich zerreiss die leinentücher bin nicht mehr mumifiziert
schreib in meine bücher ihr lauft alle uniformiert
ich brech die schale auf und spreng den kokon
ich sprech’ und sage aus in refrain und im song
ich geh raus auf die straße und schmeiss mit eiern
was das annimmt für ausmaße ach weiss der geier
denk an kafka mach kratzer der kokon wird brüchig
nach draußen flücht’ ich- lass die raupe zurück ich
denk ich bin glücklich springe und hüpfe süchtig
doch nicht jeder vogel fliegt nachdem er geschlüpft ist

ich sitz’ im kokon um rauszukommen schreib’ ich an songs
nimm stift oder mont blanc und kritzel schrift bis er bricht
ich sitz’ im kokon um rauszukommen schreib’ ich an songs