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Medienkompetenz III - Das Fernsehen lügt |
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 Das Fernsehen. Unendliche Weiten. Und manchmal auch ganz andere Planeten. „Das Fernsehen lügt“ verleiht jeden Monat die Kompetenz, die es jedem ermöglicht, gesehene Sendungen rückblickend einzuschätzen. Nach Wertigkeit (Stichwort „Prädikat: besonders wertvoll“), Unterhaltungs- und Informationswert und nach demokratischer Maßgabe (terroristisches Fernsehen lehnen wir strikt ab!) geordnet, kann dieser analytisch fundierte Ratgeber als richtungsweisend angesehen werden und eine Hilfestellung im täglichen Umgang mit der Fernbedienung sein. Außer- und Unterirdisches aus terrestrischen Kabeln oder Überirdisches durch Satellitenempfang wird auf Bildungstauglichkeit überprüft.
Musikalische Früherziehung boten im letzten Monat gleich drei Veranstaltungen: Die Grammy-Verleihung, der Bundesvision Song Contest und der Echo. Der Bundesvision Song Contest bewies einmal mehr, dass die Grufties, Schwarzkluftträger und Mystery-Karten- und Rollenspieler dieses Land langsam übernehmen. Die Band Subway to Sally gewann den Contest und man stellte sich die Frage, ob nicht die gleichen Anrufer auch Vincent Raven zum Titel „The next Uri Geller“ verhalfen. Rollenspieler sind eben eine kaufkräftige Zielgruppe – wer sich „Herr der Ringe“-Ringe und „Schwerter des Königs“-Schwerter dazu Totenschädelketten oder wahlweise Elfen-Haarreifen leisten kann, der kann auch seinesgleichen per Telefon-Voting auf den Thron hieven und ein World of Warcraft Königreich errichten. In Deutschland, versteht sich.
Allerdings tröstet der Blick über die Grenzen des Landes wenig: Vincent Raven wurde eine Woche nach seinem Deutschland-Sieg auch „The next Uri Geller der Welt“ und wir erinnern uns an die Norweger Lordi, die 2006 den Grand Prix Eurovision de la Chanson gewannen. In diesem Jahr treten wir zumindest mit den etwas friedvoller anmutigen Engeln der No Angels an. Zum Glück werden wir noch nicht von Zombies regiert. Dennoch bekamen zwei von ihnen bei der Echo-Verleihung im Februar großartige Preise. Zum einen Rolf Zukowski für sein Lebenswerk („Mein Weg zur Schule ist nicht schwer, hihahiaho…“) und zum anderen Dieter Thomas Heck (Sonderpreis für die langjährige Unterstützung und Förderung der deutschsprachigen Musik). Auch wenn beide zum alten Eisen zählen sollten, sieht die Zukunft dennoch nicht rosig aus: Jimi Blue Ochsenknecht guckt böse als Mark Medlock einen Echo gewinnt.
Die Leistungsträger und einzige Konstante in der Musikbranche sind die Kastelruther Spatzen, die zum elften Mal in Folge in der Kategorie Volkstümliche Musik gewinnen. Spannender wäre sicherlich die Zusammenlegung der deutschsprachigen Kategorien. Dann könnten die an morbiden Sozialverhältnissen orientierten Texte von Bushido mit den fröhlich-heiteren der Kastelruther Spatzen und den „Ein Stück vom Himmel“-Todgeweihten-Lyrics von Herbert Grönemeyer konkurrieren. Und Moritz Bleibtreu müsste die peinlichste Laudatio des Abends nicht mehr halten; ein Appell: Bitte, Moritz Bleibtreu, nur noch als Schauspieler in Erscheinung treten!
Und da wir schon bei Zombies waren: Auch Ulli Wickert macht wieder Fernsehen. Internet-Fernsehen. Mit persönlicher Note im eigenen Videoblog auf zoomer.de. Noch mehr (Un)Tote gab es dann nur noch beim Untergang der Gustloff im ZDF zu beobachten. Natürlich vorher dezent angekündigt in allen Sendeformaten des ZDF inklusive den Flagschiffen (Wortspiel!) „Leute heute“ und „Johannes B. Kerner“.
Doch neben diesen ganzen Untergangsszenarien (wieder ein Wortspiel!) gibt es auch Lichtblicke: „Das Lischt is an. Das is wie due. Du bis das Lischt“, heult uns Bruce „Ich will ein Skandal“ Darnell in seiner neuen Show entgegen. Er spricht die neue Wahrheit aus: „Es war ein Erdbeben in meine Arme.“ Kein neuer Katastrophenfilm, nur ein Zucken das durch die Arme in die Finger auf die Fernbedienung findet.
(März 2008, erschienen im P*U*S*H*-Magazin)
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