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Medienkompetenz II - Das Fernsehen lügt Drucken E-Mail
 
Pushmagazin Cover Februar 2008Ich bin ein Star, heul’ mich hier aus! Auch im Monat Februar kommentiert die Bildungskolumne „Medie nkompetenz“ was erschrockene Bildungsbürger und Koc h-Wähler nicht in ihre Welt-Sichtweise einordnen können. Das populär-populistische Ausweisen bringt hier nichts – die Dschungel-Bewohner sind sowieso schon in Australien. Der heulende Ross ist Brite und DJ Tomekk hat irgendetwas nicht verstanden; denn er selbst ist Pole, hat eine Agentur f ür dunkelhäutige Schönheiten gegründet und macht Nazi-Witzchen mit Hitler-Gruß und erster Strophe des Deutschland-Liedes. Also, immer schön der Reihe nach: „Ich lebe für HipHop“ und dann „Deutschland, Deutschland über alles“. Beides Hits.

Damit könnte man sich bei Bedarf auch für die fünfte Staffel „Deutschland sucht den Superstar“ bewerben und auf den Recall hoffen. Dass nämlich so viele talentfreie Menschen eine so verquere Weltsicht, also Selbsteinschätzung, haben, stellt sogar die Wahlkampfrhetorik inklusive Versprechungen der Politik in den Schatten. Obwohl die, gerade jetzt, so richtig auf Hochtouren laufen. Wahlkampfzeiten eben. In Hessen und Niedersachsen wurde gewählt, Hamburg folgt Ende Februar.
Das P*U*S*H*-Magazin konnte, was die Wahlen in Hessen und Niedersachsen anbetrifft, eine eindeutige bundespolitische Verschwörung aufdecken: Die Rot-Weiß-Gestreifte-Krawatten-Verschwörung. Nach den ersten Hochrechnungen traten einzelne Politiker der Parteien vor das Mikrofon im Wahlstudio der ARD. Und was man auch wählte: Die Mandatsträger tragen rot-weiß gestreifte Krawatten. Der Kuschelwahlkampf in Niedersachsen zeigte seine hässliche Fratze der Gleichmacherei. Sprecher von CDU, SPD und FDP kamen uniformiert im gleichen Anzug inklusive Verschwörer-Krawatte. Der Geheimbund verdeutlichte sich zunächst durch Wolfgang Jüttner, der seine Niederlage eingestehen musste. Auch bei ihm: Rot-weiß gestreifte Krawatte. In Hessen dann der Höhepunkt. Andrea Ypsilanti tritt vor das Rednerpult um ihren Sieg zu feiern. Hinter ihr zwei Männer mit rot-weiß gestreiften Krawatten, von denen ihr einer sogar etwas ins Ohr flüstert.
Nur Christian Wulff schien der Verschwörung nicht anzugehören. Dennoch machte er dubiose Bemerkungen. Auf die Frage, ob es denn jetzt mit grausamen Einschneidungen wie am Anfang seiner ersten Legislaturperiode weitergehe, antwortete er, dass er den Kurs fortführen wolle.
Das Thema der Stunde vor der Wahl lautete jedoch: Jugendliche schlagen ältere Menschen an und in S-Bahnen krankenhausreif, wahlweise halbtot (quasi Koma – kennt man noch von der Koma-Saufen-Thematik). Michael Naumann, Bürgermeisterkandidat der SPD in Hamburg, macht da die richtigen Vorschläge: Die neu geplante S-Bahnlinie in die Hafencity wird gleich ganz abgeschafft, wenn er gewählt werden sollte. Dann gibt’s auch keine Schlägereien mehr, weil gar keine S-Bahn da ist. Schlau, der Mann.
Wehrhafte Bürger wissen sich jedoch schon heute zu helfen. Die Handball-EM zeigte ein wenig, wie man haufenweise verletzte Spitzensportler produziert.
Am nachhaltigsten (und gesündesten) präsentierte sich im Januar jedoch RTL Nord. Es wird vor dem „Maus-Arm“ gewarnt, gleichzeitig Lösungsvorschläge angeboten und zur Fitness ermuntert. Der „Maus-Arm“ entstehe durch Computerarbeit: Ziehen in der Schulter, Verspannungen, Schmerzen bis zur Arbeitsunfähigkeit. Abhilfe könne geschaffen werden durch die Reduzierung der Doppelklickgeschwindigkeit und dem häufigeren Wechsel von Tastatur und Maus. Laptops sind generell ungesund! Außerdem solle man die Gelenke stets warm halten und möglichst ergonomische Mäuse und Tastaturen benutzen.
Gesund geht aber auch anders. Uri Geller sagt dazu: „Don’t touch drugs.“ Und schaut dabei selber so eindringlich in die Kamera als wäre er auf Speed. Kein Wunder, dass er Tische verschieben und Löffel verbiegen kann. Ich habe auch gleich die Messertricks aus der letzten Show ausprobiert. Außerdem die Russisch-Roulette-Geschichte mit dem geladenen Revolver. Das letzte Puzzleteil in einem Mona-Lisa-Puzzle zu finden, war schließlich pillepalle. Meine Versuche habe ich auf Video festgehalten und werde sie per MMS an ProSieben schicken. Dann sagt Uri garantiert auch wieder: “It’s amazing. The stage is yours…“

(Februar 2008, erschienen im P*U*S*H*-Magazin)

 
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Mystery XY ungelöst
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