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Medienkompetenz I - Das Fernsehen lügt Drucken E-Mail
P*U*S*H*-Magazin Januar 20082007 war mal wieder ein furioses Fernsehjahr! Da „Medienkompetenz“ aber immer noch nicht auf dem Schulstundenplan aller Bundesländer steht (Bildung is’ Ländersache!), klären wir in unserer pädagogischen Kolumne auf. Wir ordnen ein, analysieren und interpretieren, sprechen Rügen aus, betrachten objektiv und begutachten nach „Prädikat: Wertvoll“-Manier.
Der eindeutige Sieger des vergangenen Jahres lautet Vox. Unser aller Kochsender. Wer liebt ihn nicht, mit seinen perfekten Promi-Dinners ohne Promis und den Kocharenen, zu denen man sich eine Tiefkühlpizza in der Mikrowelle aufwärmt, weil der Ofen mal wieder kaputt ist.

Die Sat.1-News gibt es nicht mehr, dafür informierten wir uns 2007 durch die ultimativen Chartshows, „Unsere Besten“, die geschichtsträchtigen Hit-Giganten und die 80er-Jahre-Shows – endlich konnten wir beruhigt schlafen, in der Gewissheit Zeiten, Personen und Ereignisse einordnen zu können. Den Höhepunkt lieferte 2007 jedoch nicht etwa das Handball-WM-Endspiel (ein Winter-, Sommer-, Herbst- und Frühjahrs-Märchen!) mit seinen Rekordquoten, sondern die Traumhochzeit des Jahrhunderts: Nämlich Gülcans. Dööp dööp dööp dödödööp dööp dööp von Scooter und gecastete Hochzeitsgäste, die ich während der Live-Übertragung immer dann anrief, wenn sie im Fernsehen zu sehen waren, machten diesen Sommerabend zu einem unvergesslichen Fernseherlebnis.
Die Radsportler hätten sich 2007 lieber beim Quoten-Überflieger Dr. House behandeln lassen sollen, Eva Herman und Kerner sowie Joachim Bublath und Nina Hagen empfehle ich Peter Zwegat und die Super-Nanny.
Anne Will machte Frauentausch, genauso wie Tita von Hardenberg mit Katrin Bauernfeind. Letztere kommt übrigens vom Internet (wahlweise auch: „aus’m Internet“). Das können wir natürlich schon lange und setzten das Highlight der Fernsehsaison mit unserer eigenen kleinen Sendung „P*U*S*H* Urban Sounds“, die in 2007 bereits sieben abgedrehte Folgen verzeichnen kann.
Zum Lachen und zum Weinen gleichzeitig brachten uns „Wetten, dass…!?“, Florian Silbereisen, der Sender arena, die Call-In-Show-Prozesse gegen ihre Kritiker und Andrea Kiewel. Menschen, Bilder, Emotionen. Aber alt bewährtes bleibt zum Glück auch im Fernsehjahr 2008. Bruce Darnell läuft auf Stöckelschuhen zur ARD, Claus Kleber geht nicht zum Spiegel und die Themen bei Sandra Maischberger und Frank Plasberg lauten stets entweder „Altern in Würde“, „Aliens und Religion“ oder „Pornorap“. Auf RTL wechseln sich Günther Jauch, Mario Barth und Dieter Bohlen mit ihren Sendungen ab, Oliver Pocher holt erstaunlicherweise weitere Pro7-Zuschauer zur ARD und „Schlag den Raab“ wird zwölf Stunden am Stück geschaut, weil wirklich nichts Besseres läuft. Das Fernsehen lügt nicht – es wird nur viel zu oft falsch verstanden!

(Januar 2008, erschienen im P*U*S*H*-Magazin)

 
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Mystery XY ungelöst
Medienkompetenz