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Wellness Witzigkeit Drucken E-Mail
Hier, kennste den: Es heißt ja jetzt nicht mehr Kurschatten, sondern Sternschnuppe. Abends Stern, morgens schnuppe.
Ja, Wellness kann auch lustig. Während des Ergometer-Trainings kam es Fips-Asmussen-mäßig über den Therapeuten. Auch die Situationskomik kommt bei der 20-minütigen Trainingseinheit nicht zu kurz:
Patient: "Und, wo fahren wir denn heute hin?"
Therapeut: "Einmal Paris und zurück. Und für die letzten zehn Minuten überleg' ich mir noch was...!"
 
Ein älterer Herr, von Krebs gezeichnet, erzählte mir gleich am ersten Abend, wie man das Alkoholverbot umgehen könne. Da wusste ich sofort: Das wird ein Spaß.
Das Interessante an Krankheiten ist ja, dass man sich mehr mit sich selbst und seinem Körper beschäftigen muss. Einerseits wird vieles klarer und deutlicher, viele Menschen sprechen bei schweren Krankheiten von einer stärkeren Sinnsuche und dass sie jetzt jeden Tag mehr schätzen und genießen könnten. Das was wirklich wichtig ist, würde bewusster wahrgenommen. Dinge, die andere aufregen, werden zu Kleinigkeiten; man sieht es gelassener.
Jeden Tag zu genießen, kann aber eben auch bedeuten, dass man sich nicht einer schwermüten Sinnsuche hingibt, sondern vermeintliche Oberflächlichkeiten als Lust empfindet.  
In diesem Sinne sehe ich auch die angebotenen Freizeitaktivitäten "Korb flechten", "Weihnachtsgestecke basteln" und den Tanzabend mit DJ Michael. Nicht, dass ich daran teilnehmen würde. Aber natürlich sind auch Kinofilme und GALA lesen und Saufabende und das Internet zum Lustempfinden geeignet. Nicht hilfreich bei einer tiefgehenden Lebenssinnsuche. Aber vor dem Hintergrund der Gelassenheit, lassen sie einen schmunzeln.
So kann ich mir kein Lächeln verkneifen, wenn sich bei der Führung durch den Ort die Personen hinter mir über Gartenarbeit mit der Schwierigkeitsstufe "Maulwurf und Maulwurfshügel" unterhalten. Oder ich mehr auf die Wortwahl und die emotionale Aufgeladenheit in der Stimme der Psychologin achte als auf den zu transportierenden Inhalt. Die Psychologin stellt einfache, fast philosophische Fragen und beendet jeden Satz mit einem "ne?" im Sinne von "nicht wahr?" oder "denken Sie nicht auch?" um eine Reaktion hervorzurufen. Verständnisvoll, ruhig, fast flüsternd buhlt sie um Zustimmung durch horoskopische Allerweltsaussagen, die auf jede Person zutreffen.
Auch bei der PMR, der partielle Muskelrelaxion, spricht die Therapeutin friedlich und freundlich, fast einschläfernd. Dabei kann ich dann nicht mehr entspannen. Wenn alles Friede, Freude, Eierkuchen ist, kann ich nicht mehr lachen. Und das ist dann plötzlich auch gar nicht mehr lustig.




 
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