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Aller Anfang der neuen, gemeinsamen, europäischen Währung war 2002 die
Einführung des Euro-Bargelds in der Euro-Zone. Kurz zuvor gab es für
den europäischen Weltbürger die Starterkits – der ein oder andere wird
sich sicher noch erinnern? Kleine, verschweißte Plastikbeutelchen, mit
den länderspezifischen Münzen als Inhalt. Denn während die Geldscheine
Europas in jedem Land mit den gleichen Motiven ausgestattet waren –
nämlich den Baustilen der Epochen (5 Euro: Klassik, 10: Romantik, 20:
Gotik, 50: Renaissance, 100: Barock und Rokoko, 200: Eisen- und
Glasarchitektur, 500: moderne Architektur des 20. Jahrhunderts) –
genehmigte sich im Gegensatz dazu jedes Land die souveräne Gestaltung
und Prägung der Euro-Münzen-Rückseiten.
Interessant sind stets die Ratespielchen beim Wechselgeld oder wenn man zufällig eine fremde Prägung in seinem Portmonee findet: „Welches Land mag das wohl sein?“ Wenn es kein Bundesadler ist – gut! Die fremde Münze kommt aber nicht zurück ins Portmonee, sondern selbstverständlich in eine andere Tasche und zu Hause in die Münzensammlung, gleich neben dem Album mit Briefmarken. Wer weiß, wie lange der Staat und damit die nationale Prägung der Münze noch existieren bei den vielen Nationen im alten Ostblock, die jetzt alle den Euro als Zahlungsmittel einführen?
Eventuell besitzt man sogar noch ein Starterkit, obwohl sich das Plastik langsam von selbst zersetzt. Minutiös werden eBay-Auktionen beobachtet, in denen unversehrte Starterkits (im nominalen Wert von zehn Euro) aus Finnland für 100 Euro und mehr versteigert werden. Ein wahrer Sammler schätzt sich glücklich, im Vatikan sowohl vom deutschen Papst gesegnet worden zu sein, als auch eine Münze mit dem Konterfei des Papstes sein eigen nennen zu dürfen.
Dass in Deutschland nun schon seit vielen Jahren in Euro gezahlt wird, scheint jedoch insbesondere älteren Semestern nicht ganz geläufig zu sein. Es wird immer noch gerne umgerechnet – fatal, dass es bei dem deutschen Umrechnungskurs so leicht ist: Einfach verdoppeln, das klingt dann auch nach viel: „250 Euro? Das sind ja 500 Mark!“ oder „Früher habe ich für einen Samstagabend 20 Mark abgehoben und das hat fürs ganze Wochenende gereicht. Heute sind es 50 Euro an einem Tag!“
Ja, Zeiten ändern sich. Auch wenn die gefühlte Inflation eine andere ist als die reale und deutsches Geld nicht – wie manche vermuten – abgeschafft wurde. Deutsches Geld ist auch immer noch die D-Mark, die per Gesetz ohne zeitliche Begrenzung bei den Landesbanken in Euro eingetauscht werden kann. So gibt es die schöne Tradition traditionsreicher Unternehmen, immer mal wieder nostalgische Aktionen ins Leben zu rufen wie „Zahlen Sie Ihren Einkauf am verkaufsoffenen Sonntag in Mark!“. Sehr verdächtig, dass diese Aktionen seit Jahren gut funktionieren und den Menschen auf einmal einfällt, D-Mark Restbestände zusammen zu kratzen und ausgiebig shoppen zu gehen.
Sowohl die Sammlerwut für die fremdgeprägten Euromünzen als auch die Freude am Ausgeben der Pfennig-Restbestände sind aber nicht etwa auf Glorifizierung der Vergangenheit oder Wehmut zurück zu führen. Sie sind politisches Kalkül und geschickt eingesetzte Gehirnwäsche der EU-Oberen. Denn ganz subtil wurde uns dadurch das Prinzip der Subsidiarität vermittelt. Das Prinzip, mit dem sich alle in der EU sehr schwer tun und das Selbstverantwortung und Selbstverwaltung vor staatliches Handeln stellt. Nicht die EU soll große Gesetze verabschieden, sondern Gemeinden, Kommunen und Städte ihre Probleme selbst lösen und die Aufgaben selbst meistern. Also im Grunde das, was in einem föderalen System als selbstverständlich angesehen werden sollte. Natürlich sind wir alle Papst und zusätzlich Deutschland und Europa. Aber zuallererst sollen wir Bundesland, Kleinstadt und Doppelhaushälfte sein.
Die Europa-Politiker waren ja keine dummen Menschen. Sie wussten, dass dieses Prinzip in Vergessenheit geraten würde und dass die Regulierungswut von „denen da oben“ und ihren Nachfolgern die europäischen Bürger nicht gerade begeistert. Damit die europäische Idee aber doch noch von Erfolg gekrönt ist, geben wir den Menschen kleine, quasi subsidiare Krümelchen: Die Münzen aus den kleinsten Mitgliedsstaaten werden gesammelt – die Kleinen geraten also nicht in Vergessenheit, sondern bekommen besondere Aufmerksamkeit, werden geschätzt und unterstützt. Die gute alte D-Mark wird wieder hervorgekramt und man erinnert sich, dass man Verordnungen von oben mit einer harten Währung leicht umgehen konnte. Feingeistig und unterbewusst werden unsere Sinne geschärft. Gegen einen europäischen Zentralismus und für kleine Einheiten. Der europäische Gedanke wird so in die Welt getragen und wir Europäer so durch die Münzen sozialisiert. Den kleinlichen Pfennigfuchser freut’s und insbesondere der Münzensammler-Spießer legt sein Spießertum ab und kämpft nun mit Leidenschaft für ein vielschichtiges Europa, eine facettenreiche Zukunft, eine bessere Welt…
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